Sehr geehrte Damen und Herren,
unter oben genannter Teilnehmer-Nummer soll ich seitdem 01.01.2013 die sogenannten "Rundfunkbeiträge" zahlen. Hiermit erkläre ich, dass ich diese "Rundfunkbeiträge" nur unter dem ausdrücklichen Vorbehalt der Rückforderung zahle. Denn der Rundfunkbeitrag ist rechtlich stark umstritten. So wenden die Rechtsexperten unter anderem ein:
Ein vom Land Thüringen in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten führte dazu, dass Landesregierung und Parlament den Rundfunkbeitrag wegen Verfassungswidrigkeit ablehnten. Dass inzwischen beide Institutionen eine Kehrtwende vollzogen haben und den RBStV billigten, steht dem nicht entgegen. Auch die FDP drohte damals mit Verfassungsklage.
Nach Auffassung des früheren Hamburger Senators Prof. Ingo von Münch liegt beim "Rundfunkbeitrag" ein verfassungsrechtlich unzulässiger Eingriff in das Grundrecht der freien Entfaltung der Persönlichkeit (Art. 2 Abs. 1 GG) und in die Handlungsfreiheit der Person vor.
Gegen die Kfz-"Rundfunkbeiträge" bereitet Erich Sixt als Chef des Autovermieters Sixt bereits eine Verfassungsklage vor. Auch Sixt stützt sich auf ein Rechtsgutachten, das dem "Rundfunkbeitrag" ausdrücklich die Verfassungswidrigkeit bescheinigt.
Die Drogeriekette Rossmann klagt ebenfalls beim Bayerischen Verfassungsgericht gegen den Rundfunkbeitrag. Die Klageschrift wendet sich gegen die Verletzung der Grundrechte bei der allgemeinen Handlungsfreiheit und des Gleichheitsgrundsatzes. Weiterhin sei der Rundfunkbeitrag eine allgemeine Steuer und daher durch die Länder verfassungswidrig zustande gekommen. Es würden – systemwidrig – auch betriebliche Kfz mit Beiträgen belegt, obwohl mit dem Rundfunkbeitrag gerade nicht mehr an das Vorhandensein von Rundfunkempfangsgeräten angeknüpft werden solle.
Der Verband Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN) hat bereits im Sommer 2012 beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe Verfassungsbeschwerde eingereicht.
Viele Rechtsexperten meinen, die Rundfunk-Zwangsabgabe sei in Wahrheit gar kein Beitrag, sondern eine Rundfunksteuer. Diese Rundfunksteuer lasse man im Gesetz nur unter falscher Flagge als "Rundfunkbeitrag" segeln, weil die für die Rundfunkgesetzgebung zuständigen Länder gar keine allgemeinen Steuern beschließen dürfen. Die Länder überschreiten daher mit dem Rundfunkbeitrag ihre rechtlichen Kompetenzen. Gemäß Grundgesetz darf nur der Deutsche Bundestag allgemeine Steuergesetze erlassen. Darauf stützt sich unter anderem auch die erste Popularklage vor dem Bayerischen Verfassungsgerichtshof gegen den "Rundfunkbeitrag" (Aktenzeichen Vf. 8-VII-12).
Die neuen Regelungen verletzen die gebotene Beitragsgerechtigkeit. Beiträge darf man gemäß höchstrichterlicher Rechtsprechung zwar im Rahmen der Verwaltung von Massenvorgängen typisieren. Die jeweilige Inhaberschaft von Wohnungen, Betriebsstätten, Kfz, Motorschiffen bildet jedoch keinen beitragsgerechten Maßstab für Vorteile eines möglichen Rundfunkempfangs jeweiliger Personen ab.
Wegen der bestehenden erheblichen rechtlichen Unklarheiten, ob überhaupt, und falls ja, wann wer in welcher Höhe unter welchen Konstellationen "Rundfunkbeiträge" zu zahlen hat, erkläre ich hiermit ausdrücklich, dass ich meine Zahlungen für Rundfunkabgaben ab sofort nur unter Vorbehalt leiste. Denn auch ich bin von den neuen Ungerechtigkeiten bei der Regelung der Rundfunkabgaben seit 2013 betroffen.
Meine Zahlungen seit 2013 erfolgen daher ohne Anerkennung einer Rechtspflicht, allerdings mit rechtsverbindlicher Wirkung. Sollten die Gerichte später feststellen, dass die "Rundfunkbeiträge" in vergleichbaren Fällen rechts- oder verfassungswidrig sind und daher ganz oder teilweise entfallen, werde ich die bis dahin gezahlten Gebühren von Ihnen zurückfordern.
Bitte bestätigen Sie den Erhalt dieses Schreibens schriftlich.
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Rundfunkbeitrag unter Vorbehalt zahlen – Vorlage & Hinweise
Wer den Rundfunkbeitrag zahlt, aber Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Forderung hat oder eine Befreiung beantragt, kann die Zahlung unter Vorbehalt leisten. Damit bleibt das Recht erhalten, gezahlte Beträge später zurückzufordern – falls eine Korrektur der Abrechnung oder eine rückwirkende Befreiung festgestellt wird.
Was bewirkt eine Zahlung unter Vorbehalt?
Die Erklärung schützt Ihr Recht auf Rückforderung: Wenn Sie ohne Vorbehalt zahlen und die Zahlung später als zu Unrecht erhoben gilt (z. B. weil eine Befreiung rückwirkend bewilligt wurde), können Sie das Geld trotzdem zurückfordern – der Vorbehalt stellt dies klar.
Was ist die BVerfG-Entscheidung von 2018?
Das Bundesverfassungsgericht hat den Rundfunkbeitrag im Juli 2018 (1 BvR 1675/16 u. a.) für verfassungskonform erklärt. Verfassungsrechtliche Argumente gegen den Beitrag an sich – wie fehlende Gegenleistung oder Doppelzahlung – wurden ausdrücklich zurückgewiesen. Ein Vorbehalt auf Grundlage dieser Argumente hat daher keine Aussicht auf Rückerstattung.
Wann ist ein Vorbehalt sinnvoll?
- Laufender Befreiungsantrag: Sie haben Befreiung beantragt (ALG II, Grundsicherung, BAföG), der Bescheid steht aus – zahlen Sie unter Vorbehalt, um die Rückerstattung für den Bewilligungszeitraum zu sichern
- Vermutete Doppelabrechnung: Sie glauben, für mehrere Haushalte oder Wohnungen doppelt abgerechnet zu werden
- Administrative Fehler: Beitragsservice hat falsche Daten oder hat Kündigung nicht verbucht
- Nebenwohnung-Befreiung: Sie haben Anspruch auf Ermäßigung wegen Zweitwohnung (seit dem Nebenwohnungsurteil 2018)
Häufige Fragen
Kann ich den Rundfunkbeitrag komplett verweigern?
Nein. Der Rundfunkbeitrag ist eine öffentlich-rechtliche Abgabe. Zahlen Sie nicht, drohen Mahnbescheid, Zwangsvollstreckung und Vollstreckungsgebühren. Ein Vorbehalt schützt Rückforderungsrechte – ersetzt aber nicht die Zahlung.
Wer kann sich vom Rundfunkbeitrag befreien lassen?
Befreiungsberechtigt sind u. a. Empfänger von: ALG II (Bürgergeld), Grundsicherung im Alter, Sozialhilfe (SGB XII), BAföG (volle Förderung), BAfög-Vorauszahlung, Blindengeld oder wenn eine Schwerbehinderung mit dem Merkzeichen RF vorliegt. Beantragen Sie die Befreiung direkt beim ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice.
Wie muss die Vorbehaltserklärung eingereicht werden?
Versenden Sie das Musterschreiben per Einschreiben an den Beitragsservice. Der Vorbehalt muss vor oder gleichzeitig mit der Zahlung erklärt werden – nicht nachträglich. Bewahren Sie den Einlieferungsbeleg auf.
Was passiert, wenn mein Befreiungsantrag rückwirkend bewilligt wird?
Die Befreiung wirkt in der Regel ab dem ersten Tag des Monats, in dem der Antrag eingeht – nicht rückwirkend für den gesamten Bewilligungszeitraum. Zahlen Sie daher bis zur Entscheidung unter Vorbehalt weiter, um keine Vollstreckung zu riskieren.
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Von der Briefwechsel-Redaktion, zuletzt geprüft Mai 2026.
Die Musterschreiben dienen als Formulierungshilfe. Wir übernehmen keine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen und Adressen. Die Schreiben sind insbesondere auch allgemeiner Art und stellen keine Rechtsberatung im Einzelfall dar. Zur Lösung von konkreten Rechtsfällen konsultieren Sie bitte einen Rechtsanwalt.