9 häufige Wortwahl- und Grammatikfehler

Ist es heutzutage wirklich von Belang, ob man “Standart” statt “Standard” oder “das Gleiche” meint, wenn man “dasselbe” schreibt? Kommunikation ist heute dank Smartphones leichter aber auch oberflächlicher denn je. Schnell ist ein Brief oder E-Mail in der S-Bahn auf dem Weg zur Arbeit verfasst. Doch gerade im Geschäftsbereich lässt eine falsche Rechtschreibung und Wortwahl schnell Zweifel an der Glaubwürdigkeit und Sachlichkeit des Absenders aufkommen.

So ist es glücklicherweise nicht verwunderlich, dass viele Phishing-Mails und -Webseiten dank ihrer zahlreichen Fehler oft rechtzeitig erkannt werden. Man geht schlicht davon aus, dass eine Bank keine Rechtschreibfehler macht.

Klar, wir alle machen Fehler. Allerdings gibt es einen Unterschied zwischen gelegentlichen Tippfehlern und “systematischen” Fehlern. Korrekter Ausdruck und die richtige Wortwahl bilden einfach die Grundvoraussetzung für einen seriösen Brief und seriöse E-Mail. Hier ist eine kleine Liste von typischen Fehlern.

effektiv oder effizient

Etwas ist effektiv (wirkungsvoll), wenn es einen Effekt erzielt, also ein gewünschtes Ergebnis erreicht wird. Je geringer der Aufwand ist, um diese Wirkung zu erreichen, desto effizienter (leistungsfähiger) ist die Art und Weise einer Umsetzung.

Beispiel: Eine Flasche Champagner auf eine umgestürzte Kerze zu gießen, ist effektiv, denn das Feuer ist danach gelöscht. Effizient ist es hingegen nicht, denn ein Glas Wasser hätte es auch getan.

Merke:
Effektivität: Das Richtige tun.
Effizienz: Die Dinge richtig tun.

Beachte: Das Wort “effektiv” ist nicht steigerbar; entweder hat etwas einen Effekt oder nicht. Bei “effizient” hingegen lassen sich durchaus Abstufungen unterscheiden, eine bestimmte Vorgehensweise kann effizienter sein als eine andere.

“Ende diesen Jahres” oder “Ende dieses Jahres”

Anfang dieses Jahres lässt sich reduzieren auf Anfang des Jahres, Anfang diesen Jahres jedoch nicht auf Anfang den Jahres. Anfang nächsten Jahres rührt von einer Wortauslassung her: Anfang (des) nächsten Jahres. Ende dieses Jahres ist demnach richtig.

Beispiele:
Zu Beginn dieses Semesters …
Am Ende dieses Spiels …
Ende dieses Jahres …

Merke: Das Attribut nach Anfang, Beginn und Ende verlangt den Genitiv.

dasselbe oder das Gleiche

Dasselbe und das Gleiche ist nicht dasselbe. Es besteht große Unsicherheit bei der Verwendung der Wörter derselbe, dieselbe, dasselbe bzw. der gleiche, die gleiche, das gleiche. Beide bezeichnen eine Übereinstimmung. Das Gleiche setzt voraus, dass etwas einer anderen Sache gleicht, während dasselbe die Sache selbst bezeichnet.

Beispiele:
Unsere beiden Monteure fahren denselben Wagen (= den einen Firmenwagen).
Unsere beiden Monteure fahren den gleichen Wagen (= Wagen desselben Fabrikats).

Merke: Dasselbe gibt es immer nur einmal, während das Gleiche gewissermaßen ein Duplikat ist.

Modell oder Model

Zwischen diesen beiden Wörter gibt es tatsächlich keinen großen Bedeutungsunterschied. Als Model bezeichnet man jemanden, dessen Hauptaufgabe der Einsatz des eigenen Körpers zum Zwecke der Werbung, Verkaufssteigerung, Vorführung oder Präsentation einer Sache oder Dienstleistung im Rahmen optischer Darstellung ist. Ein Model wurde früher allerdings auch als Modell bezeichnet. Das Wort Modell bezeichnet ein Vorbild, Muster mit denen Dinge leichter verständlich gemacht werden oder die zur Veranschaulichung dienen.

Anne’s Friseursalon oder Annes’ Friseursalon

Viel zu häufig werden Apostrophe gesetzt. Ein Apostroph als Abtrennung des Genitiv-s bei “Anna’s Friseursalon“ ist ebenso falsch wie „Wolf’s Fahrschule“. Auch bei Pluralformen (Videos, nicht Video’s) und beim Verschmelzen von bestimmtem Artikel mit vorangegangener Präposition („aufs Dach“, „unterm Bett“ statt „auf’s Dach“, „unter’m Bett“) ist ein Apostroph fehl am Platz.

Merke: Ein Apostroph muss nur bei einer Auslassung im Wortinneren gesetzt werden (Ku’damm) und als Zeichen des Genitivs bei Namen, die auf s, ss, ß, tz, z und x enden.

Beispiele:
Hannes‘ Freundin
Alex‘ Mutter
Annes‘ Wurstbrot

“Du brauchst nicht kommen“ oder “Du brauchst nicht zu kommen.“

„Wer brauchen ohne ‘zu’ gebraucht, braucht brauchen nicht zu brauchen“. Richtig heißt es: „Du brauchst nicht zu kommen.“

Merke: „Brauchen“ wird mit „zu“ gebraucht.

emulieren oder simulieren?

Ein Emulator bildet einen Vorgang nach außen funktionsgleich nach, jedoch mit anderen Mitteln als das Vorbild. Beispiele hierfür sind Prozessor- und Betriebssystememulatoren, durch die Programme auf Plattformen ausgeführt werden können, für die sie ursprünglich nicht gedacht waren, beispielsweise um Playstation-Spiele auf einem PC zu spielen. Der Rechner gibt also vor, ein anderer zu sein,

In einer Simulation wird nur so getan, als ob, etwa im Falle eines Flugsimulators zur Pilotenausbildung. Die Folgen sind also nicht wirklich, und der Simulator ist nicht geeignet, das nachgeahmte Original in mehr als nur Teilaspekten zu ersetzen.

beziehungsweise oder genauer gesagt?

Das Wort “beziehungsweise” (abgekürzt bzw.) wird fälschlicherweise oft anstelle der Konjunktionen “und” oder “oder” verwendet. In dem Aufruf “Die Besucher bzw. Besucherinnen werden gebeten, sich an der Rezeption zu melden” ist das Wort “beziehungsweise” fehl am Platz, an seine Stelle gehört ein schlichtes “und”. Und hier heißt es besser “oder”: “Das erledigt Herr Müller bzw. Herr Meier für Sie.”
In vielen Fällen kann “beziehungsweise” auch einfach durch “genauer gesagt” ersetzt werden: “Ich stamme aus Leipzig, beziehungsweise aus einem Dorf in der Nähe.” Besser: “Ich stamme aus Leipzig, genauer gesagt aus einem Dorf in der Nähe.”

Merke: “Beziehungsweise” ist nur dann angebracht, wenn ein Bezug auf zwei verschiedene Substantive vorliegt: “Zugelassen sind Kinder ebenso wie Erwachsene, der Eintritt beträgt acht bzw. zwölf Euro.”

wohlgesonnen oder wohlgesinnt?

Die richtige Form heißt “wohlgesinnt”: Ich bin dir wohlgesinnt; er war mir wohlgesinnt. Auch andere Gesinnungszustände werden mit “gesinnt” gebildet: feindlich gesinnt, freundlich gesinnt, übel gesinnt, froh gesinnt. Ein Verb “wohlsinnen” (Ich wohlsinne, du wohlsinnst …) gibt es nicht, daher gibt es auch die Formen “wohlsann” und “wohlgesonnen” nicht. Im Unterschied zu den Perfektpartizipien “ersonnen”, “versonnen” und “besonnen” handelt es sich bei “wohlgesinnt” um ein Adjektiv. “Wohlgesinnt” ist aus dem Hauptwort “Sinn” entstanden.

Quellen: Zwiebelfisch

Sind dir weitere Begriffe und Fehler bekannt, die viel zu häufig gemacht werden?